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Bauphase 1

Die länglichen Formen der Baukörper L und R, die sich im Grundriss abzeichnen, lassen auf die typische, zuvor beschriebene mittelalterliche Bebauungsstruktur an einem öffentlichen Platz schließen. Das Bodenniveau in L ist um ca. 40cm unter dem von Bauteil R, der also zu einem Zeitpunkt errichtet worden sein muss, als das Umgebungsniveau des zuerst errichteten L-Traktes bereits dementsprechend hoch „angewachsen“ war.

Eine Mehrgeschossigkeit lässt sich durch das Übereinanderlegen der transparenten, sehr exakten, vom Ludwig Boltzmann Institut erstellten Bestandspläne von Erd- und 1. Obergeschoß klären. Da die begrenzenden Linien der Außenwände beider Geschoße bündig übereinanderliegen, geht man von der Fassadensituation eines zweigeschossigen Objektes aus.

Die Putzfenster geben Aufschluss über die Mauerwerksbeschaffenheit von L: unregelmäßig gesetztes Findlingsmauerwerk, ähnlich wie in fast allen anderen Bauteilen.

Um brandschutztechnischen Anforderungen zu entsprechen, wurden oft nachträglich in Gebäude Gewölbekonstruktionen eingebaut. Darauf wird jedoch erst in Bauphase 4 näher eingegangen. Primärdeckenkonstruktion war eine Holzbalkenkonstruktion.

Die Türe, die den Bauteil L heute über den Trakt L-R erschließt, ist mit einer lichten Höhe von 171cm für eine Eingangstüre sehr niedrig. Die Stufen aus Fludergrabner Marmor dürften eine spätere Zutat sein, was auch die geringe Kopfhöhe begründet.

Der Bauteil L ist mit einem Keller ausgestattet, der über eine einläufige Treppe mit Holzblockstufen erschlossen ist. Die direkt darüber angeordnete Stichkappe ist ein Indiz dafür, dass die Treppe nach Gewölbeerrichtung eingebaut worden sein könnte. Die Antrittstufe befindet sich direkt in der Türöffnung zum Keller, wobei diese sehr ungünstige Lage auch für einen späteren Einbau unter räumlichen Zwängen sprechen würde. Zwei mittlerweile über- und umgebaute Entlüftungsöffnungen sind Hinweis dafür, dass sich links und rechts von Bauteil L einmal ein Freiraum befunden haben muss.

VERTIKALERSCHLIESSUNG

Am nordwestlichen Gebäudeeck in Bauteil A zeichnet sich in den Grundrissen von Erdgeschoß bis 2. Obergeschoß aufgrund des leichten Mauerversatzes eine turmähnliche, dreigeschossige Struktur mit sich nach oben verjüngenden Mauerstärken ab, die auch von außen ersichtlich ist. Die Frage, welche Funktion der Turm ursprünglich hatte und ob er immer schon dreigeschossig war, lässt sich nicht klären; möglich wäre, dass er exponiert vom Wohngebäude als Latrinenturm in Verwendung war - in diesem Fall könnte die Treppe einläufig an die Fassade angebaut gewesen sein.

Abb. rechts: die wahrscheinliche Treppensituation in der linken oberen Ecke des Grundrisses. Die Pfeile markieren die erkennbaren Absätze im Mauerwerk.