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| Lageplan (Hofer-Haus = rot) |
Luftaufnahme des Objekts |
Ziel der Bauphasenbeschreibung ist es, die bereits gewonnenen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen über die mögliche „Gebäudeentstehung“ in einer Form zu präsentieren, die als Grundlage für eine fundierte Wertanalyse herangezogen werden kann. Um eine leichtere Orientierbarkeit bei der Beschreibung zu gewährleisten, ist es notwendig, den Grundriss des Gebäudes in Abschnitte einzuteilen. Im folgenden Text werden die einzelnen Bauteile mit den Anfangsbuchstaben L (links), R (rechts), L-R (Verbindungsteil zwischen links und rechts), S (Saal) und A (Anbau) bezeichnet.

Um eine leichtere Verständlichkeit zu gewährleisten, wird, analog der Abb. oben z.B. die nordwestlich ausgerichtete Fassade als Nordfassade bezeichnet, usw. Es wird empfohlen, parallel zum Text auch die beigelegten Baualterspläne zu lesen.
Bei den Untersuchungen hat sich eine Gliederung in folgende Bauphasen ergeben, wobei jene Bauphasen, die den Bauteil A betreffen, zusätzlich mit dem Buchstaben A belegt wurden:
| 1 |
Zweigeschossiges Objekt über L, rückwärtiger wahrscheinlich dreigeschossiger Turm
bei A |
| 1A |
Rückwärtiger Anbau bei L, zweigeschossig |
| 2 |
Über R wird ein zweigeschossiges Gebäude errichtet |
| 3 |
Zusammenführung von R und L zu einem kompakten Objekt |
| 4 |
Einbau des Gewölbes im Verbindungsbauteil L-R und in L, vor 1511 |
| 5 |
Erweiterung um den zweigeschossigen Bauteil S, Fassade neu, zentrale Treppe, 1511-33 |
| 6A |
Rückwärtiger Anbau an S, eingeschossig, nach 1533 |
| 7 |
Aufstockung zum dreigeschossigen Gebäude |
| 8A |
Rückwärtiger Anbau im 2.Obergeschoß, vor 1756 |
| 9 |
Diverse Anbauten, 19. und 20. Jh.
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Zunächst gilt es zu klären, wie die Parzellenstruktur an der Stelle des heutigen Gebäudekomplexes im Mittelalter ausgesehen haben könnte. Um diese Aussagen tätigen zu können, nehme ich die Erkenntnisse aus den ersten Bauphasen vorweg. Mittels der verfügbaren Literatur über die städtebaulichen Bedingungen im österreichischen Raum dieser Zeit ist es möglich, die Bedingungen für eine Parzellenteilung zumindest ansatzweise zu umreißen. Max Eberhard Schuster beschreibt das in „Das Bürgerhaus im Inn- und Salzachgebiet“. Ich gehe davon aus, das diese Beschreibung überregionale Bedeutung hat, was mich dazu veranlaßt, auch Rückschlüsse auf das mittelalterliche Aussee und den heutigen Chlumetzkyplatz zu ziehen: „…die Gestaltung des Grundrisses zwangsläufig von der Parzellierung und Form der Grundstücke abhing. Bei der Stadtplanung und der damit verbundenen Aufteilung in Grundstücke ist man sichtlich davon ausgegangen, den vorhandenen Boden gleichmäßig zu verteilen, indem man ihn in annähernd gleichbreite, parallele Streifen schnitt, um jedem Besitzer einen angemessenen Teil am Platz oder an der Straße zu sichern; eine Art der Aufteilung, an der auch bei gebogenen oder stärker gekrümmten Straßen festgehalten wurde, wodurch im Straßenplan das stufenartige Vor- und Zurückgehen der Hausfronten gegeneinander bedingt ist, was malerische Straßenbilder ergab. Wenn die Front des Hauses an der Straße meistens nur 3 bis 4 Fensterachsen hergab, so war die Tiefe des Grundstückes fast unbegrenzt, was dem Bedarf an Lagerraum, an Ställen und sonstigen Nebengebäuden zugute kam. Betrat man einen der kleinen Typen, etwa das Haus eines bescheidenen Handwerkers, von der Straße her durch die meist nicht in der Mittelachse, sondern seitlich gelegene Türe, so kam man in einen, bei allen späteren Bauten gewölbten Raum, in „das Gewölbe“, das durch einen hinteren Ausgang mit dem rückwärtigen Grundstück, dem Hof oder dem Garten, verbunden war.“ Rückschließend auf das Hofer-Haus könnte sich folgende Situation abgezeichnet haben:

Dass der Speicher, bzw. die heutige Expositur auf dem Chlumetzkyplatz freistehend war, belegt die historische Abbildung unten (Bilder aus dem 19. Jhdt. im Kapitel > historische Abbildungen). Ergänzend zu den Überlegungen, die zu der planlichen Darstellung oben führten, soll ein Auszug aus einem Aufsatz von Fred Kaspar die prinzipielle Funktionsweise der mittelalterlichen Bürgerhäuser Oberdeutschlands (Süddeutschland, dem östlichen Frankreich, der Schweiz und Österreich) skizzieren:
„Die in den Anfängen steckende Erforschung des mittelalterlichen Bürgerhauses lässt bislang nur schemenhaft erkennen, dass wohl eine größere Einheit zwischen dem Haus und dem weitgehend ungeteilten Inneren bestand. Zwar sind für den Begriff Stube schon Belege des Frühmittelalters bekannt, doch ist der Raum als Aufenthaltsraum im profanen Bereich erst ab etwa 1200 nachweisbar, wobei zeitgleich auch die archäologischen Belege für Öfen einsetzen. Schon im 13. Jahrhundert war die Stube in weitesten Kreisen ein selbstverständlicher Bestandteil eines jeden Wohnhauses, der zentrale Bedeutung als Lebensmittelpunkt hatte, zunächst aber noch in das Gebäude als eigenständiger Bauteil hineingestellt wurde und noch bis ins 16. Jahrhundert eine reine Holzkonstruktion blieb. Die Stube ist nie von der Straße her erschlossen, sondern über den Verkehrsraum des Hauses, womit ihre Stellung im Hause noch ihren Ursprung nämlich einen in das Haus hineingestellten Wärmekasten widerspiegelt. Die zentrale Diele oder das Binnenhaus reduzierte sich in den meisten Regionen schnell zu einem etagenhohen Verkehrsraum, der entsprechend der niederdeutschen Tradition gelegentlich noch mit „Haus“ bezeichnet, zumeist aber Tenne, Ern, Flez, Suler oder anders genannt wurde. Zur Stube gehörte in der Regel eine anschließende, von ihr miterwärmte Kammer, die offensichtlich dem Schlafen diente, in der Regel auch eine Küche oder eine Feuernische, von wo aus der Ofen beheizt wurde.
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So bildete sich erstaunlich schnell im Spätmittelalter ein über weiteste Bereiche verbreitetes Haus mit Flur, Stube im Erd- oder Obergeschoß mit anschließender Küche und zumeist Kammer heraus. In zahlreichen Fällen wurde das Erdgeschoß zum Wirtschaftsgeschoß mit Werkstatt unter der dann im ersten Geschoß liegenden Oberstube als Hauptwohnraum. Dieses spätestens im 13. Jahrhundert geschaffene und in dieser Zeit neuartige Raum- und Funktionsprogramm ist in der Folge für Jahrhunderte im Prinzip gleich und unangetastet geblieben.
Entsprechend der zentralen Bedeutung im Haus konnte die Größe der Stube sein. In der Stube wurde immer gegessen und die Zeit der häuslichen Muße verbracht, doch konnte sie daneben zahllosen anderen Lebensbereichen dienen.
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So war sie trotz des zwischen der Straße eingeschobenen Flures „Prunkraum“ mit „öffentlich-repräsentativer Bedeutung“, der im 16. Jahrhundert angefüllt sein konnte mit vielfältigen Gefäßen und Tellern aus Edelmetall.
Der Lebensvollzug in der Stube geschah im Spätmittelalter nach über große Landschaften gleichen Prinzipien, ebenfalls auf strenger funktionaler und sozialer Ordnung der Hausgemeinschaft aufbauend und zumeist auf einer Diagonalordnung des Raumes in einen Arbeitsbereich um den Ofen und einen Eß- und Mußebereich um den Tisch mit umgebenden Bänken basierend… Der Ofen war Sinnmittelpunkt des Hauses und wurde in dem Wert seiner Ausstattung zum zentralen Statussymbol des Haushaltes.“
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